Die kleine Erdbeere

Gepostet von am 26. Mrz. 2012 in Kids, Lifestyle | Keine Kommentare

Die kleine Erdbeere

Es war einmal ein großer, bunter Garten. In dem großen, bunten Garten gab es ein kleines Beet. Und auf dem kleinen Beet wuchsen viele kleine, grüne Erdbeeren.
Den lieben langen Tag schwatzen, klatschten und lachten sie miteinander:
“Ach sieh doch, wie gut mir mein grünes Kleidchen steht!” sprach die eine. “Frau Sonnenschein im Nachbarhaus liegt schon wieder faul im Liegestuhl!” schwatzte die andere. “Ja seht mal den Herrn Speckwurst, sein Bauch wird wirklich immer dicker!” lästerte eine dritte.
So ein Gekicher und Geplapper herrschte hier, daß sich im Nachbarbeet die Margeriten und Ringelblumen die Ohren zuhielten.
Nur eine einzige Erdbeere namens Wutzelinchen schwatzte und lachte nicht mit den anderen. Sie saß ganz allein und winzig am Ende des Gartens, halb versteckt hinter Brennesseln und Sauerampfer. Als Oma Pauline im Frühjahr die zarten Erdbeerpflänzchen gesetzt hatte, war ihr Wutzelinchen aus der Schürze gefallen. Oma Pauline hatte nichts davon bemerkt, und unsere kleine Pflanze blieb am Rand des Gartens liegen.
Weiter vorn, auf dem Erdbeerbeet gab es viel Sonne, so daß die schwatzhaften Pflänzchen schnell rund und rot wurden. Zwischen die Brennesseln und den Sauerampfer fand die Sonne nur selten ihren Weg. Wutzelinchen streckte und reckte sich dann jedesmal und rief leise: “Wärme mich, bitte wärme mich! Ich möchte auch gern eine runde, rote Erdbeere werden!” Dies war ihr sehnlichster Wunsch!
Aber während die anderen Erdbeerpflanzen sich in der Sonne wärmten, vom Regen tranken und immer größer und schöner wurden, blieb unsere winzige Erdbeere klein und grün und wurde immer trauriger.
Eines schönen Abends sprach Oma Pauline zu ihrem Enkel, Robert Rollschuh: “Heute will ich einen schönen Kuchen backen, denn morgen hat Opa Gottlieb Geburtstag. Lauf schnell und hol mir ein Körbchen Erdbeeren aus dem Garten.”
Robert lief los und pflückte von dem kleinen Beet eine Beere nach der anderen ab. Die kleinen Früchte freuten sich, denn der Traum einer jeden Erdbeere ist es, einmal mitten auf einem großen, runden Kuchen zu landen. Als Robert alle Beeren in seinen Korb gesammelt hatte, lief er pfeifend wieder ins Haus.
Die traurige kleine Erdbeere am Ende des Gartens sah er jedoch nicht.
Er gab Oma Pauline den Korb mit den Früchten, die sie sogleich auf dem frisch gebackenen, duftenden Kuchen verteilte. Dann stellte sie ihn zum Auskühlen auf die Fensterbank.
Unser Wutzelinchen am Ende des Gartens jedoch war nun ganz allein und verlassen. Sie schaute sehnsüchtig zum Haus, in dem ihre Kameradinnen waren und wurde immer trauriger. Und während ihr die Tränen über die kleinen, grünen Wangen liefen, schlief sie schließlich ein.
Indessen erschien der gute Mond am Himmel. Als er das einsame Erdbeerchen sah, war er sehr gerührt. Er überlegte eine Weile, und dann hatte er eine Idee. Er rief all’ seine Sterne herbei und scharte sie um sich. Dann strengten sie sich gemeinsam an und leuchteten so sehr, daß sie noch tausendmal heller als die Sonne strahlten. Und siehe da, unser grünes, mageres Wutzelinchen verwandelte sich in einer einzigen Nacht in eine große, runde, rote Erdbeere!
Am nächsten Morgen lief Robert Rollschuh in den Garten, um Brennesseln zu jäten. Plötzlich sah er unser schlafendes Erdbeerchen. “Nanu, was ist denn das?” rief er erfreut. “Da habe ich Dich wunderschönes Früchtchen ja gestern ganz übersehen!” Rasch pflückte er die Beere und trug sie zu Oma Pauline ins Haus. Von der Schaukelei erwachte Wutzelinchen und sah sich erstaunt um.
Robert trug die Beere zu seiner Oma und rief: “Schau, was für ein feines Früchtchen ich noch im Garten gefunden habe!”
“Das hast Du aber gut gemacht, mein Junge!” antwortete Oma Pauline. “Genauso so ein Erdbeerchen fehlt mir noch für meinen Kuchen!” Und ehe Wutzelinchen wußte, wie ihr geschah, saß sie schon ganz oben mitten auf dem Kuchen. Ihre Kameradinnen schauten sie an und staunten sehr.
Aber noch viel mehr staunte Wutzelinchen, als sie sich nun im Spiegel der Fensterscheibe sah.
Und wie sie da so saß, ein Sahnehäubchen keck auf dem Kopf, da war sie die Schönste von allen!

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