Kategorie-Archiv: Kids

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Ein Apfelbaum sucht ein zuhause

Inmitten eines kleinen Gartens, direkt am Waldrand, stand seit vielen, vielen Jahren ein alter Apfelbaum. Großvater hatte ihn gepflanzt, als er noch jung war und ihn gehegt und gepflegt. Jahr für Jahr trug er saftige Äpfel und es war immer eine reiche Ernte gewesen. An einem seiner starken Äste hatte der Großvater eine Schaukel angebracht und die Kinder jauchzten vor Vergnügen, wenn sie sich hoch in die Lüfte schwangen.
Im Geäst hatten sich die kleinen Vögel ihre Nester gebaut. Es war ein Zwitschern und Trillern den ganzen Tag. Seine große, dichte Laubkrone spendete Schatten, wer sich auch immer auf die blaue Bank zu seinen Füßen setzte und die Blätter flüsterten dann die schönsten Geschichten aus seinem langen Baum-Leben.
Jetzt aber war es still in dem kleinen Garten geworden. Die Kinder kamen nicht mehr, sie waren längst erwachsen und fortgezogen. Die Schaukel baumelte lustlos im Wind und der Apfelbaum begann sich zu langweilen. Er beklagte sich bei den Vögeln und Schmetterlingen:
“Seit die Kinder nicht mehr da sind, ist es hier gar nicht mehr schön. Nichts Aufregendes passiert mehr. Wozu noch immer die schweren Äpfel tragen. Ich mag das nicht mehr tun! Das ist alles so langweilig hier. Immer muss ich am selben Platz bleiben. Ihr könnt ja hier und da hinfliegen und euch die Welt ansehen, euch macht das nichts aus!”
Eine kleine Meise sprach zu ihm: “Sei doch nicht so unzufrieden, lieber Freund. Glaub mir, du hast den schönste Platz in der ganzen Gegend. Viele deiner Brüder und Schwestern würden dich darum beneiden.”
Aber der Apfelbaum grollte und zog sich mürrisch zurück, und so blieb es den ganzen Sommer über.

Eines Abends saßen der Großvater und die Großmutter auf der blauen Bank unter dem alten Baum und sie wunderten sich. Dieses Jahr trug er nur vier Äpfel und einen davon hatte er sogar abgeworfen! Was war denn nur los mit ihm? Vielleicht war der Baum schon zu alt und zu müde? Im Frühjahr sollte man ihn vielleicht fällen und ein junges Bäumchen pflanzen, meinte der Großvater. Sie pflückten die Äpfel und machten sich nachdenklich auf den Heimweg.
Der alte Baum aber erschrak sehr und er konnte es kaum erwarten, bis es Morgen wurde und die Vögel erwachten. Ihnen schüttete er sein Herz aus und er war sehr aufgeregt dabei.
“Jetzt soll ich sogar sterben, weil man meint, ich wäre zu alt!
Nein, hier bleibe ich nicht. Ich werde mir einen besseres zu Hause suchen!” sprach er und war entschlossen zu gehen. Niemand konnte ihn davon abhalten und schweren Herzens verabschiedeten ihn seine Freunde und wünschten ihm viel Glück auf seinem Weg.
Der Apfelbaum riss mühsam seine tiefen Wurzeln aus dem Erdreich und verletzte sie dabei ziemlich schlimm. Aber das war ihm egal. Er war fest entschlossen, sein Glück zu suchen. Die Wunden würden schon wieder heilen.

Doch welche Richtung sollte er nun einschlagen? Am liebsten würde er zu seinen Brüdern und Schwestern gehen, von denen die kleine Meise gesprochen hatte. Der Wald hinter dem Garten? Nein, das war ihm zu nah. Jetzt wollte er in die weite Welt hinaus!
Nach vielen Tagen einsamer Wanderschaft kam er in einen tiefen Wald. Hier wollte er bleiben, zusammen mit den anderem Bäumen. Sie sahen anders aus als er, hatten alle ein Nadelkleid. Der Apfelbaum begann sich zu schämen. Er stand ganz nackt vor ihnen, denn die Herbststürme hatten ihm schon alle seine Blätter entrissen. Am liebsten wäre er gleich weiter gegangen. Doch er war so müde und so begann er sich niederzulassen.
Es wurde ein sehr kalter Winter und in dieser Gegend war es besonders frostig. Jeder Ast, jeder Zweig war mit dicken, glitzernden Eiskristallen besetzt. Der Apfelbaum war solche Temperaturen gar nicht gewöhnt und er fror fürchterlich. Auch die Tiere litten unter der eisigen Kälte und fanden nichts zu fressen.
Rehe und Hirsche zogen durch den Wald und entdeckten plötzlich den Apfelbaum! Oh, das war ein Glück für sie, denn seine Rinde war zart und sehr schmackhaft. Der Baum ließ seine Äste furchterregend knacken und krachen, aber die Rehe und Hirsche vertrieb er damit nicht. Ihr Hunger war zu groß. Da weinte der Baum bitterlich, als die vielen, hungrigen Mäuler an seinem Stamm nagten und hässliche kahle Stellen hinterließen.
Des Nachts fiel eine Horde Wildschweine über ihn her, wühlte nach seinen zarten Wurzeln und der arme Apfelbaum konnte sich gegen sie genau so wenig wehren, wie gegen die Rehe und Hirsche zuvor. Wie sehr wünschte er sich jetzt zurück in den kleinen Garten, zu Großmutter und Großvater. Da gab es einen Zaun, der ihn schützte und so kalt war es auch nicht. Aber dort sollte er ja der Axt zum Opfer fallen. Nein, zurück konnte er nicht!
In dieser grauenvollen Nacht beschloss er, weiter zu ziehen, schließlich wollte er sich nicht auffressen lassen!. Der Wald war nicht gut für einen Apfelbaum. Es musste einen besseren Platz für ihn geben!

Mehrere Wochen ging er so durch Wälder und versuchte, die schrecklichen Erlebnisse zu vergessen, bis er in eine Stadt kam. Oh ja, hier war es interessant! Die vielen großen und kleinen Leute, die bunten Autos – das würde nicht langweilig werden und Wildschweine, Rehe und Hirsche kamen nicht in die Stadt. Er stellte sich in eine Pappel-Allee und beobachtete das bunte Treiben um sich. Nach einiger Zeit bemerkte er allerdings, dass weder die Pappeln noch er, von den Menschen beachtet wurden. Niemand freute sich über die Bäume, keiner machte Rast in ihren Schatten. Alle hasteten die Allee entlang, ohne sich auch nur umzusehen. Die Stadtmenschen hätten nie Zeit und Ruhe würden sie sich auch nicht gönnen, erzählten ihm seine neuen Freunde. Das fand der Apfelbaum sehr merkwürdig und er dachte an Großvater und Großmutter. Von den beiden Alten ist er immer bewundert worden und man hatte sich um ihn gesorgt. Er erinnerte sich an lange Sommerabende, als die beiden bei ihm auf der Bank saßen und seinen wispernden Geschichten lauschten… und der Baum wurde traurig.
Am nächsten Tag, in aller Frühe, kamen plötzlich Bagger und ein Kran die Allee hinauf gefahren. Die Pappeln rechts und links neben ihm, begannen zu zittern. Das taten sie sowieso recht häufig und wurden deshalb Zitterpappeln genannt. Aber dieses mal hatten sie allen Grund dazu. Sie hätten es gewusst, jammerten sie. Eines Tages müsse jeder Baum diese Stadt verlassen, den Platz räumen, für noch mehr Häuser. Jetzt würde man Kaminholz aus ihnen machen…
Dem Apfelbaum fuhr der Schreck in die Glieder und so schnell er konnte, suchte er das Weite. Nein, sein Leben war ihm lieb, als Kaminholz wollte er nicht enden und gefallen hätte es ihm auf Dauer in der Stadt sowieso nicht, wo er nicht beachtet würde.
Er lief weiter und weiter, immer noch auf der Suche nach einem neuen zu Hause. Seine Wurzelfüße waren vom vielen Laufen schon ganz wund, denn dafür waren sie ja gar nicht geschaffen. So langsam meldeten sich leise Zweifel. Ob er, als er den Garten verließ, nicht vielleicht doch einen Fehler gemacht hatte? Aber nein, beruhigte er sich, so langweilig wollte er einfach nicht leben!

Unser Apfelbaum schleppte sich mühsam weiter. Nirgends wollte es ihm so recht gefallen. Eines Tages führte ihn sein Weg zur Autobahn. Viele Fahrzeuge flitzten an ihm vorbei! Das war aber spannend! Er stellte sich neben eine kleine Birke und begann ein Gespräch:
“Ich muss schon sagen, du hast dir ein sehr interessantes Plätzchen ausgesucht. Hier gefällt es mir auch, hier werde ich bleiben,”
“Ohje, ich glaube, dass wirst du dir sicher noch mal überlegen. Du kennst das Leben hier doch gar nicht. Interessant mag es für den ersten Augenblick sein, aber daran gewöhnt man sich und morgen ist das alles schon nicht mehr neu. Dann stört der Lärm gewaltig. Tag und Nacht brummen und knattern die Wagen an dir vorbei, kein Auge kannst du zu machen. Der Staub lässt dein Blätterkleid hässlich und grau werden, du drohst zu ersticken! Und immer die Angst, es könnte dich vielleicht ein Auto umfahren… Ich habe es mir wahrlich nicht ausgesucht, hier am Straßenrand zu stehen. Bin als Samen vom Wind hier her geweht worden und angewachsen. Die Gegend gefällt mir keineswegs, aber nun bin ich fest verwurzelt und so bleibe ich auch an diesem Ort.
Aber sag, wo kommst du denn her! Einen Apfelbaum an der Autobahn habe ich noch nie gesehen.”
Da seufzte der Apfelbaum und begann seine Geschichte zu erzählen. Und als er so den kleinen Garten mit der grünen Wiese und den bunten Blumen beschrieb, bemerkte er, wie schön er in seiner Erinnerung war. Er sprach von den lustigen Vögeln, die in seinem Blätterhaus gewohnt hatten und Lieder für ihn sangen. Wie sehr vermisste er sie. Doch als er von Großvater und Großmutter erzählte, konnte er die Tränen nicht zurückhalten. Er hatte solche Sehnsucht!
Mit großen, glänzenden Augen hatte die kleine Birke dem Apfelbaum staunend zugehört und sprach:
“Dein Garten muss der schönste Platz auf der ganzen Welt sein! Ich wünschte, dort leben zu können. Geh’ zurück dort hin, es ist dein zu Hause! Trag würdig deine Äpfel, üppig wie jedes Jahr und freue dich an den schönen Dingen. Um das Fällen würde ich mir keine allzu großen Sorgen machen, die beiden Alten hängen doch an Dir. Sie haben ihr halbes Leben mit dir verbracht und es täte ihnen sicher weh, sich von dir zu trennen.”
Gerührt umarmte der alte Baum die junge Birke. Sie hatte ihm aus dem Herzen gesprochen. So fühlte er eigentlich schon eine geraume Zeit. Mit seinem Dickkopf aber, hatte es sich das nicht eingestehen wollen. Jetzt wusste er, was zu tun war. Er verabschiedete sich von der Birke und bedankte sich für den klugen Rat. Nach Hause, in seinen Garten, dahin würde er nun gehen!

Nie zuvor sah man den alten Apfelbaum so glücklich inmitten des Gartens stehen. Und langweilig fand er sein Leben überhaupt nicht mehr. In seinem Geäst tummelten sich wieder die Vögel, er sah den Schmetterlingen zu, wie sie von Blüte zu Blüte flatterten, unterhielt sich mit den Gräsern und Blumen über das Leben und wusste, was er doch eigentlich für ein Glück hatte, in diesem Garten wohnen zu dürfen.
Im Frühling blühte er aus voller Kraft, so dass sich Großmutter und Großvater sehr wunderten! Dieses Jahr würde er für die reichste Apfelernte sorgen, die es je gegeben hatte.

Er war noch nicht zu alt und das würde er beweisen.

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Die kleine Erdbeere

Es war einmal ein großer, bunter Garten. In dem großen, bunten Garten gab es ein kleines Beet. Und auf dem kleinen Beet wuchsen viele kleine, grüne Erdbeeren.
Den lieben langen Tag schwatzen, klatschten und lachten sie miteinander:
“Ach sieh doch, wie gut mir mein grünes Kleidchen steht!” sprach die eine. “Frau Sonnenschein im Nachbarhaus liegt schon wieder faul im Liegestuhl!” schwatzte die andere. “Ja seht mal den Herrn Speckwurst, sein Bauch wird wirklich immer dicker!” lästerte eine dritte.
So ein Gekicher und Geplapper herrschte hier, daß sich im Nachbarbeet die Margeriten und Ringelblumen die Ohren zuhielten.
Nur eine einzige Erdbeere namens Wutzelinchen schwatzte und lachte nicht mit den anderen. Sie saß ganz allein und winzig am Ende des Gartens, halb versteckt hinter Brennesseln und Sauerampfer. Als Oma Pauline im Frühjahr die zarten Erdbeerpflänzchen gesetzt hatte, war ihr Wutzelinchen aus der Schürze gefallen. Oma Pauline hatte nichts davon bemerkt, und unsere kleine Pflanze blieb am Rand des Gartens liegen.
Weiter vorn, auf dem Erdbeerbeet gab es viel Sonne, so daß die schwatzhaften Pflänzchen schnell rund und rot wurden. Zwischen die Brennesseln und den Sauerampfer fand die Sonne nur selten ihren Weg. Wutzelinchen streckte und reckte sich dann jedesmal und rief leise: “Wärme mich, bitte wärme mich! Ich möchte auch gern eine runde, rote Erdbeere werden!” Dies war ihr sehnlichster Wunsch!
Aber während die anderen Erdbeerpflanzen sich in der Sonne wärmten, vom Regen tranken und immer größer und schöner wurden, blieb unsere winzige Erdbeere klein und grün und wurde immer trauriger.
Eines schönen Abends sprach Oma Pauline zu ihrem Enkel, Robert Rollschuh: “Heute will ich einen schönen Kuchen backen, denn morgen hat Opa Gottlieb Geburtstag. Lauf schnell und hol mir ein Körbchen Erdbeeren aus dem Garten.”
Robert lief los und pflückte von dem kleinen Beet eine Beere nach der anderen ab. Die kleinen Früchte freuten sich, denn der Traum einer jeden Erdbeere ist es, einmal mitten auf einem großen, runden Kuchen zu landen. Als Robert alle Beeren in seinen Korb gesammelt hatte, lief er pfeifend wieder ins Haus.
Die traurige kleine Erdbeere am Ende des Gartens sah er jedoch nicht.
Er gab Oma Pauline den Korb mit den Früchten, die sie sogleich auf dem frisch gebackenen, duftenden Kuchen verteilte. Dann stellte sie ihn zum Auskühlen auf die Fensterbank.
Unser Wutzelinchen am Ende des Gartens jedoch war nun ganz allein und verlassen. Sie schaute sehnsüchtig zum Haus, in dem ihre Kameradinnen waren und wurde immer trauriger. Und während ihr die Tränen über die kleinen, grünen Wangen liefen, schlief sie schließlich ein.
Indessen erschien der gute Mond am Himmel. Als er das einsame Erdbeerchen sah, war er sehr gerührt. Er überlegte eine Weile, und dann hatte er eine Idee. Er rief all’ seine Sterne herbei und scharte sie um sich. Dann strengten sie sich gemeinsam an und leuchteten so sehr, daß sie noch tausendmal heller als die Sonne strahlten. Und siehe da, unser grünes, mageres Wutzelinchen verwandelte sich in einer einzigen Nacht in eine große, runde, rote Erdbeere!
Am nächsten Morgen lief Robert Rollschuh in den Garten, um Brennesseln zu jäten. Plötzlich sah er unser schlafendes Erdbeerchen. “Nanu, was ist denn das?” rief er erfreut. “Da habe ich Dich wunderschönes Früchtchen ja gestern ganz übersehen!” Rasch pflückte er die Beere und trug sie zu Oma Pauline ins Haus. Von der Schaukelei erwachte Wutzelinchen und sah sich erstaunt um.
Robert trug die Beere zu seiner Oma und rief: “Schau, was für ein feines Früchtchen ich noch im Garten gefunden habe!”
“Das hast Du aber gut gemacht, mein Junge!” antwortete Oma Pauline. “Genauso so ein Erdbeerchen fehlt mir noch für meinen Kuchen!” Und ehe Wutzelinchen wußte, wie ihr geschah, saß sie schon ganz oben mitten auf dem Kuchen. Ihre Kameradinnen schauten sie an und staunten sehr.
Aber noch viel mehr staunte Wutzelinchen, als sie sich nun im Spiegel der Fensterscheibe sah.
Und wie sie da so saß, ein Sahnehäubchen keck auf dem Kopf, da war sie die Schönste von allen!

holzbahn

Was spielen wir heute, Mama?

Diese Frage kennt nahezu jede Mama, jeder Papa. Und da ich mir immer viele Gedanken mache, was ich den Kindern, gerade an verregneten Tagen, “bieten” könnte, stellte ich fest, dass ich mir im Grunde genommen, immer viel zu viele Gedanken mache. Ein Kind wird in unserer heutigen Gesellschaft sowieso total überfüttert… mit Medien, wie Werbung, Computer & Co, Konsolen etc. pp. Die Kinder wünschen sich was – jahaaa, auch meine – und zack haben sie's im Kinderzimmer stehen. Ich ertappte mich teilweise selbst darin, meinen Kindern jegliche Wünsche von den Augen abzulesen und befand mich dann relativ schnell in einer Spirale, aus der ein schnelles Entkommen unmöglich war. Plötzlich hatte ich zickige und vor allem fordernde Kinder, die mit nichts mehr zufrieden zu stellen waren, die einfach alles haben wollten, alles materielle, was ihnen in den Sinn kam, forderten. Aber hey… sie waren ja nicht schuld daran, ich hatte es aus ihnen gemacht – das mag jetzt vermessen klingen, aber ich musste alles umstellen. Ich ging auf diverse Vorlesungen, Veranstaltungen etc.pp., um herauszufinden, was ein Kind wirklich braucht bzw. wie ein Kind wirklich spielt und das passiert mit den einfachsten Mitteln, was mir eigentlich auch vorher schon lange klar war, doch vernebelt durch die Medien – gefangen in einer Konsumwelt. Ich spürte – wir müssen da ausbrechen und so kam es, dass ich mich – auch durch die Begebenheit, dass mein Sohn nun in den Waldorfkindergarten ging – mich mit der Waldorfpädagogik auseinandersetzte. Mit einfachen Mitteln drehte ich nun den Spieß wieder um, aber so, dass es die Kids kaum merkten. Sie waren plötzlich viel besser gelaunt, hatten wieder Spaß am Spiel. Das Fordernde stellte sich sofort ein – nichts von dem vorigen Verhalten war mehr spürbar.

Plötzlich standen wir wieder in der Küche, backten Brot und Kuchen selbst, bereiteten die verschiedensten Gerichte mit Spaß und Freude zu.

Aus Langeweile wurde phantasievolles Spielen!

Kinder müssen zweckfrei Spielen, Entdecken, Wahrnehmen können, denn nur so kann der Nachwuchs seiner Umwelt ohne Vorurteile begegnen. Auch der Kindergarten tut hierzu natürlich sein Bestes. Was ein Waldorfkindergarten an dieser Stelle anbietet, ist "lebenswichtig" – es pflegt die Fantasie, die Vorstellungskraft, den Schöpferwillen, in dem er den Kindern Raum und Zeit schenkt. Lernen und Reifen durch Freude und Leben mit der Fantasie und nicht durch eine Bilderflut und vorgegebenen Einflüssen.

So sehe ich heute endlich alles viel entspannter. Ich lass die Kinder "Kinder" sein und spiele nicht mehr den Alleinunterhalter, sondern lass' sie auch mal ausdenken, sich entfalten und spiele natürlich gern mit… wir spielen auch gern im Regen… natürlich mit Gummistiefeln und Regenklamotten ;)

Nach und nach gingen wir ohne schlechtes Gewissen das Kinderzimmer durch und es wurde entschieden aussortiert, was nicht mehr gebraucht wurde, wobei wir schon immer sehr auf Qualität bei den Kinderspielsachen achteten. Dennoch gab es einiges, mit dem die Kinder nicht einmal gespielt hatten, das wurde dann aussortiert oder manchmal sogar umfunktioniert. Zurzeit sieht es bei uns so aus: wenn die Kinder mal ein neues Spielzeug haben möchten, dann suche ich zuerst nach Vergünstigungen im Internet, wie z.B. einen myToys Rabatt. Hab ich dann den passenden Rabatt gefunden, so gehen wir dann alle zusammen das gewünschte Spielzeug kaufen.

Mittlerweile ist die Konstruktions-Kugelbahn viel interessanter als so manches vorgegebene Spielzeug… und das freut mich sehr… und natürlich auch die Kids.

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Plötzlich ganz groß…

Auf einmal – ja so ziemlich plötzlich und schrecklich schnell werden sie groß… meine Jungs. Tochterkind ist auch schon ziemlich selbständig und macht ihr Ding … da gibt’s mal mehr und mal weniger Diskussionen… doch seitdem sie in der Waldorfschule ist, geht sie ihren Weg – wie gut!

Doch die Jungs – meine kleinen Kuschelmäuse – sie sind nun auch schon so groß. Da habe ich ja nun fast schon ein Vorschulkind und aus dem Kleinkind wird auch so langsam ein großes Kerlchen – ein Kindergartenkind. Meine Kuschelmäuse sind gar keine richtigen Kuschelmäuse mehr … sie akzeptieren andere Bezugspersonen neben mir – ich meine, das ist ja gut so. Sie testen Grenzen … mehr als mir oft lieb ist. Aber ich bin froh um diese Individualisten. Wer möchte schon ein Werkzeug seiner selbst? Ich nicht und deshalb bin ich so glücklich mit meiner Familie.

Trotzdem hoffe ich, dass die Zeit weiterhin ganz ganz langsam vergeht – vielleicht kann ich sie irgendwann sogar mal für eine kurze Zeit anhalten. Hach!

 

Foto:
Thomas Siepmann  / pixelio.de

Geburtstag

5 Jahre Sonnenschein

Mein Sohn… nun bist du 5 Jahre!!

Ich kann es noch gar nicht richtig glauben, dass es wirklich schon so weit sein soll. Die letzten Tage waren zwar stressig – ich hab die ganze Zeit in der Küche verbracht. Denn es gab viel zu tun und so war der Herd im Dauerbetrieb – aber dennoch schön. Ich habe viel in der Vergangenheit gehangen und nachgedacht. Nachgedacht darüber, wie du zu uns gekommen bist… wie anstrengend und voller Angst die ersten Schwangerschaftswochen waren, da wir nicht wussten, ob du bleiben würdest. Ich musste mich viel schonen, hinlegen und wurde von meiner Frauenärztin zum Nichtstun verdonnert. Dann kam dieser heiße Sommer. Wasseransammlungen hier und da… aber hey, ich war die glücklichste Person auf dieser Welt, denn ich war schwanger mit dir. Im August heiratete ich deinen Papa, der immer an unserer Seite war. Auch deine große Schwester konnte deine Ankunft gar nicht mehr erwarten. Alle waren hibbelig.

Dann kam der Tag der Tage. Du wurdest geboren. Um 9.04 Uhr – den Tag müsste ich nun nachsehen, am 2. Oktober 2006. Es war ein wundervoller Tag. Ich weiß nicht mehr, ob auch draußen die Sonne schien, jedenfalls tat sie es überall, wo du warst.

Das Witzige war, du solltest immer in dieses Krankenhausbabybettchen, aber das war mir einfach zu weit weg und heimlich, wenn alle gegangen waren, nahm ich dich heraus, wickelte dich aus dem Schlafsack und packte dich zu mir ins Bett, denn nur das konnte das einzig Richtige sein. Baby und Mama – vereint, wie noch ein paar Stunden zuvor. Das Stillen klappte von Anfang an perfekt, du hast mich fast aufgefuttert :)

Dann kam dein erster Geburtstag… alle waren da. Dann der zweite und der dritte. Unsere Freunde und die Familie war immer da – alle feierten dich, denn du bist der Sonnenschein dieser Familie.

Mit 3 1/2 kamst du dann in den Kindergarten. Eine völlig neue Welt brach auf uns ein – im positiven Sinne. Mein etwas introvertiertes Mäuschen wurde ein selbstbewusster kleiner Kerl, der sagte was er wollte, der uns schonmal zeigte, wo’s langgeht. Ich fand’s einfach nur super, wie du dich vom kleinen Baby zum großen Jungen entwickeltest. Dann stand der vierte Geburtstag an. Wir machen uns viele Gedanken, denn das erste Mal sollten deine Freunde aus dem Kindergarten zur großen Party kommen. Ich zerbrach mir den Kopf, was Spiele usw. betrifft, damit auch jeder seinen Spaß hatte. Es war eine rauschende Party.

Nun stand dein fünfter Geburtstag an. Wir waren hin- und hergerissen, ob wir denn deine Freunde einladen könnten, weil es ja ein Sonntag war. Gut, ich telefonierte alle Eltern, deren Kinder in Frage kamen ab und ja, es konnten – bis auf einen – alle kommen. Dein Gesicht war strahlend, du hast dich so gefreut. Nun habe ich die Einladungskarten gestaltet und mit Papa überlegt, welchen Kuchen wir dir zum Geburtstag backen könnten. Diesmal wurden es die Krümelmonstermuffins und die Schokokusstorte. Lecker lecker…

Der Tag kam und wir bereiteten von den Kuchen und der Deko alles vor. Die Kinder kamen pünktlich, beschenkten dich reichlich und du warst das strahlendste Kind des Tages. Du hast dich so sehr über deinen Geburtstagstisch mit der Torte und den Muffins gefreut.

Als alle Kinder fertig waren, gingen wir raus – spielen. Es war einfach nur wunderschön und so relaxed… völlig ohne Stress. Es war DEIN Tag und du hast ihn in vollen Zügen genossen. Zu recht.

Heute liefst du die Treppe hoch… hast kurz innegehalten und sagtest leise vor dich hin:”Jetzt bin ich fünf!”

Ja mein großer Schatz – jetzt bist du 5 !!!!